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Schlaglöcher im Visier und „Rosi“ am Telefon: Wie KI die kommunale Infrastruktur stärkt

19.05.2026

Rückblick kommunaler digital_dialog: Best Practices aus Rottenburg am Neckar und der regionalen Daseinsvorsorge

Wie wird aus einer visionären Tech-Idee ein echter Problemlöser für den kommunalen Alltag? Die Antwort lieferten die Best Practices des 5. kommunalen digital_dialogs am 19. Mai. Im Fokus der Online-Praxisreihe stand dieses Mal die digitale Infrastruktur – vom Straßenmanagement bis zum Kundenservice. Die Veranstaltung verdeutlichte erneut: Wenn Kommunen und Start-ups mutig kooperieren, lassen sich kommunale Hürden wie Sanierungsstau und Fachkräftemangel mit smarter Technologie effektiv bekämpfen.

KI-gestütztes Straßenmanagement in Rottenburg am Neckar: Das digitale Rückgrat des Bauamts

Das Bauamt ist das handfeste Fundament jeder Kommune. Gemeinsam mit dem jungen Unternehmen vialytics hat die Stadt Rottenburg am Neckar die Straßenzustandsbewertung revolutioniert. Gestartet im Bereich des autonomen Fahrens, suchten die Gründer von vialytics nach einem ungelösten Alltagsproblem. Nach vielen Gesprächen mit Kommunen, Feuerwehren und Leitstellen sowie nach einem Nachmittag in einem Biergarten, der direkt an einer maroden Straße lag, war klar: Schlaglöcher sind ein großer Schmerzpunkt.

  • Die Lösung: Während regulärer Dienstfahrten erfasst eine Smartphone-Kamera an der Windschutzscheibe den Straßenzustand. Eine KI wertet die Bilder im Hintergrund autark aus und kategorisiert Schäden.
  • Der Benefit: Die Stadt Rottenburg am Neckar – die über eine Fachzeitschrift auf das damalige Start-up aufmerksam wurde – erhält eine objektive, lückenlose Datenbasis. Zusätzlich optimiert das System das Aufgabenmanagement und reduziert den Personalaufwand, der z.B. durch Kontrollfahrten entstehen würde.

Kollegin „Rosi“ im Support: Organisches KI-Wachstum bei der R-KOM

Ständig klingelnde Telefone und wiederkehrende Routineanfragen binden in Servicezentralen wertvolle Ressourcen. Gemeinsam mit dem Start-up Pendura hat der ostbayerische Telekommunikations-Dienstleister R-KOM bewiesen, dass Mut belohnt wird. Als Vorreiter unter den regionalen Anbietern setzt das Unternehmen auf KI – jedoch nicht als Ersatz für den Menschen, sondern als intelligente Ergänzung. Das Projekt zeigt par excellence, wie eine agile Kooperation organisch wachsen kann: Was als einzelner Voice-Agent im Kundenservice begann, entwickelt sich stetig in mehreren Ausbaustufen weiter.

  • Die Lösung: Die KI-basierte Voice-Agent-Kollegin „Rosi“ geht immer dann ans Telefon, wenn alle menschlichen Leitungen besetzt sind – und sichert vor allem die Randzeiten ab 17:00 Uhr ab. Basis hierfür ist eine im Vorfeld detailliert aufgebaute Wissensdatenbank für wiederkehrende Fragen und ein strukturierter Störungsleitfaden.
  • Der Benefit: Kunden erhalten sofort Hilfe, das Support-Team wird massiv entlastet und wöchentliche Abstimmungen sichern die Qualität. Die nächsten Ausbaustufen sind schon in Planung: Ein Analytics-Agent zur Datenauswertung und eine CRM-Schnittstelle unter strengen Datenschutzauflagen.

Wichtigstes Learning: Mut zu 80 % und klein starten

Um Reibungsverluste bei neuen Technologien zu vermeiden, waren sich die Speaker einig: Lieber mit einer soliden 80-Prozent-Lösung systematisch und klein starten, als auf die vermeintlich perfekten 100 Prozent zu warten. Wer den Start-ups diesen Vertrauensvorschuss gewährt, lernt direkt am echten Case und profitiert sofort vom enormen Innovationstempo der Gründer.

Über den digital_dialog

Der kommunale digital_dialog bringt Kommunen, die vor Herausforderungen wie Fachkräftemangel und Sanierungsstau stehen, mit kreativen Start-ups zusammen. Das Format bietet Raum, um unkompliziert von den Erfahrungen anderer zu lernen. Die Reihe ist eine Initiative der TechBase Regensburg im Rahmen des EU-Projekts DInO (Digital Innovation Ostbayern).

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